Taubheit bei Katzen
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Um die Taubheit bei Katzen zu verstehen, sollten Sie über die Anatomie der Ohren der Katze Bescheid wissen.
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Literatur

Bedenken Sie bitte, meist ist die Literatur über Taubheit bei Katzen in Englisch.
 

Congenital Deafness and Its Recognition, George M. Strain, Ph.D. (Englisch) 
 
Dalmat Web, Artikel über Taubheit (Deutsch) 
 
Deafness in Dogs &Cats, George M. Strain (Englisch) 
 
Liste von Artikeln, die sich mit Taubheit bei Katzen beschäftigen (Englisch) 
 
Pigment Parade, Lorraine Shelton (Englisch) 
 
The 1995 All Breed White Deafness Survey, David Brinicombe (Englisch) 
 
Tufts' Canine & Feline Breeding and Genetics Conference 2003 (Englisch) 
 
Vererbung der Prädisposition für Taubheit und Augenfarbe bei weissen Katzen, Caroline Geigy (Deutsch) 
 

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Progressive Retina Atrophie
Taubheit bei Katzen
GM-Gangliosidose bei Katzen
Hypertrophe Kardiomyopathie HCM
 
 

Taubheit bei Katzen

Kurzbeschreibung

Es gibt verschiedene Arten von Taubheit bei Katzen, die nach folgenden Kriterien unterschieden werden:

Auftreten
Herkunft
Typ
angeboren
später
vererbt
erworben
konduktiv
sensoneural

Das Auftreten kann:

  • bereits bei der Geburt oder kurz danach sein,
  • oder erst in späteren Jahren (im Alter) sein.

Die Herkunft der Taubheit kann:

  • aufgrund genetischer Veranlagung der Katze sein, also durch Vererbung entstehen,
  • oder die Taubheit kann durch eine Entzündung, einen Unfall, etc. erworben sein.

Der Typ der Taubheit bei Katzen kann sein:

  • Konduktiv, d.h. Blockierung der Schallübertragung zur Schnecke (Cochlea), da der Ohrkanal oder die Mittelohrröhre verschlossen sind, z.B. durch eine Mittelohrentzündung oder durch zu viel Ohrschmalz.
  • Sensoneural infolge des Verlustes der Haarzellen der Cochlea.

Die Taubheit bei weißen Katzen ist eine angeborene, vererbte, sensoneurale Taubheit.

Schemazeichnung des Ohres
Schematische Darstellung des Ohres der Katze
 
Cortisches Organ
Oberhalb: Das Corti Organ mit den Haarzellen, das sich in der Cochlea (Schnecke) befindet.

Die Cochlea besteht aus drei Gängen: Scala vestibuli, Scala media (= Ductus cochlearis) und Scala tympani. Die Scala media ist mit einer K+ ionenhaltigen Flüssigkeit gefüllt (Endolymphe), die von der Stria vascularis produziert wird.

Am äußeren Rand des Schneckenganges (Scala media) befindet sich die Stria vascularis, die die Endolymphe produziert, die K+-Ionen enthält. Diese sind erforderlich, damit die Schallübertragung der Haarzellen funktionieren kann.
Bei der angeborenen, vererbten Taubheit bei Katzen ist diese Stria verkümmert, was den Verlust der Haarzellen zur Folge hat, und damit den Verlust der Fähigkeit zu hören. Untersuchungen des Gewebes der Stria haben gezeigt, dass die Melanozyten (Pigmentzellen) fehlen, deren Entwicklung bei weißen Katzen nach der Geburt unterdrückt wird. Das Hörvermögen entwickelt sich bis zur 3. Woche, danach beginnt bei der Taubheit der rapide Verlust der Haarzellen.

Die Taubheit tritt bei weißen Katzen sehr gehäuft in Verbindung mit blauen Augen auf. Aber auch odd-eyed Katzen können taub sein, nämlich auf der Seite, wo sich das blaue Auge befindet.
Die Katze kann schwerhörig oder taub sein, wobei die Taubheit auch nur auf einem Ohr auftreten kann.
Die Untersuchung von George Strain an 256 Katzen hat gezeigt, dass bei 12% der weißen Katzen die Taubheit unilateral auftritt, und bei 38% der weißen Katzen bilateral, also zusammen 50%: bei weißen Katzen ohne blaue Augen trat die Taubheit bei 17% der Katzen auf, bei weißen Katzen mit einem blauen Auge trat sie bei 40% auf und bei weißen Katzen mit zwei blauen Augen trat die Taubheit bei 85%  der Katzen auf. Siehe dazu im Kapitel Literatur in der linken Box.

Nicht alle weißen Katzen mit blauen Augen müssen taub sein, doch der Prozentsatz ist sehr hoch.
Anders verhält es sich bei weißen Katzen, deren blaue Augen vom Siam-Gen kommen. Siehe dazu den Artikel von Lorraine Shelton im Kapitel Literatur in der linken Box.

Genetik der Taubheit bei Katzen

Die vererbte Taubheit bei Katzen in Verbindung mit den Pigmentzellen ist seit dem 19.Jh. bekannt. So wurde dies bereits 1828 bemerkt und von Darwin kommentiert.
So kann auch die Zucht mit Elterntieren, die beidseitig hörend sind, taube Katzenjungtiere bringen, wie auch die Zucht mit zwei tauben Elterntieren hörende Jungtiere bringen kann.
Reinerbige weiße Katzen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie blaue Augen haben, und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie taub sind. Die Wahrscheinlichkeit steigt umso mehr an, je mehr weiße Katzen mit blauen Augen in den Vorfahren sind. Reinerbige weiße Katzen, deren blaue Augen auf das Siamgen zurückgehen und die auch reinerbig für das Siamgen (cs) sind, sind weniger oft taub.

Der Mechanismus der Vererbung ist jedoch noch immer nicht vollständig erforscht.

Farben bei Katzen, die zur Taubheit neigen

Alle weißen Katzen aller Rassen (Weiß, das auf dem Gen W beruht):

  • Insbesonders mit blauen Augen.
  • Auch mit odd-eyed, wenn also ein Auge blau ist.
    Die Taubheit ist dann sehr oft unilateral, d.h. auf der Seite, wo sich das blaue Auge befindet.

Liest man den Artikel von Lorraine Shelton (siehe Literatur in der linken Box), sind auch alle Katzen aller Rassen mit extrem hohem Weißanteil betroffen (Weißanteil, der auf dem Piebald-Spotting Gen S beruht, und hier meist die homozygoten Katzen: SS), d.h. Katzen, die also das Van-Muster haben:

  • Insbesonders mit blauen Augen.
  • Auch mit odd-eyed, wenn also ein Auge blau ist.
    Die Taubheit befindet sich dann auf dem Ohr, wo das blaue Auge ist.

Testmethoden für die Taubheit bei Katzen

Die Untersuchung auf Taubheit erfolgt durch den kurz genannten audiometrischen Test. Genauer bezeichnet, heißt die Testmethode BAER-Test (brain stem auditory evoked response), auch bekannt als BEAP (brain stem auditory evoked potential) oder als ABR (auditory brain stem response).
Es werden - ähnlich wie beim EKG - elektrische Aktivitäten in der Cochlea und im Gehirn gemessen. Die Kurven bestehen aus mehreren Spitzen, wovon die erste Spitze von der Cochlea und dem Hörnerv produziert wird, alle weiteren Spitzen werden vom Gehirn produziert.
Bei tauben Tieren ist die Kurven im wesentlich flach.
Hörende Katze
Taube Katze

Die Messung erfolgt für beiden Ohren getrennt.
Denn auch unilaterale Taubheit ist genetisch genau dasselbe wie bilaterale Taubheit, es ist dies lediglich eine andere Ausdrucksform der Taubheit.
Die Messung erfolgt über winzig kleine Nadelelektronen, eine Elektrode sitzt oben am Kopf, eine vor jedem Ohr, und die Masse-Elektrode meist im Nacken. Diese Elektroden sind an einen speziell dafür geeigneten Computer angeschlossen. Da die Amplituden der Kurve sehr klein sind, erfolgen wiederholte Messungen und es wird ein Mittelwert der Amplituden berechnet.
Die Katze erhält gepolsterte Kopfhörer, über die luftgeleitet in wiederholten Abständen ein Stimulus-Klick produziert wird.
Die ganze Prozedur, für beide Ohren getrennt, dauert 10-15 Minuten. Die Nadelelektroden sind so klein (kleiner und dünner als Akupunkturnadeln), dass die Katze keinerlei Schmerz verspürt. Es ist auch bei ausgeglichenen Tieren, die nicht extrem ängstlich sind, keinerlei Narkose erforderlich. Viele Tierärzte machen eine Kurznarkose aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit, die nicht wirklich erforderlich ist.

Konsequnezen für die Zucht von Katzen

Bei vielen Organisation ist die Verpaarung zweier weißer Katzen verboten. Dies trägt zwar zur Reduktion der Anzahl  tauber weißer Katzen bei, doch ob diese Maßnahme zielführend ist, ist durch eine wissenschaftliche Langzeitstudie und ausgereifte Statistiken leider noch nicht belegt.

Eine andere Möglichkeit wäre, die blauen Augen bei Katzen zu verbieten. Eine solche Maßnahme ist diskussionswürdig und fragwürdig, denn es können trotzdem odd-eyed Tiere von Katzen mit orangen Augen fallen. Auch Katzen mit orangefarbenen Augen können taub sein, wenn auch das Auftreten der Taubheit geringer ist.

Eine weitere Möglichkeit ist, weiße Katzen generell zu verbieten. Dies ist ebenfalls sehr fragwürdig und erinnert an Zeiten, die wir besser hinter uns gelassen haben. Weiße Tiere kommen in der Natur bei allen Rassen vor. Will man dann generell alle weißen Tiere verbieten oder zum Aussterben verurteilen? Bei weißen Tigern, die zufällig durch die Magier Siegfried und Roy berühmt geworden sind, und wo es gezielte Zuchtprogramme gibt, damit sie eben nicht aussterben, da duldet man weiße Tiere, bei Katzen nicht? Sehr inkonsequent und unlogisch gedacht.

Eine andere, wenn auch extreme Methode ist, reinerbige hörende weiße Katzen zu züchten, deren blaue Augen von dem Siamgen kommen und die auch reinerbig für das Siamgen sind, da genau bei diesen weißen Katzen mit blauen Augen das Auftreten von Taubheit sehr viel geringer ist.

Es gibt zwar viele Untersuchungen, in der Hauptsache jedoch bei Hunden, doch wissenschaftliche Langzeitstudien mit fundierten statistischen Daten bei weißen blauäugigen Katzen gibt es leider nicht.
Es bleibt auch abzuwarten, bis geklärt ist, wie sich die Taubheit bei Katzen vererbt.

 
 

 
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